Hannes Schneider

Deutschno english version available

Herbert Schneider

Herbert Schneider vor dem Geburtshaus seines Vaters Hannes in Stuben am Arlberg "Fuchsloch"
Hannes Schneider mit Herbert und Herta
Haus Schneider in St. Anton am Arlberg
Herbert trainiert fleißig
Herbert mit seiner Frau vor dem Hannes Schneider Denkmal am Mount Cranmore in North Conway

Seine Biographie zeigt in beeindruckender Weise die Umbrüche des 20. Jahrhunderts auf: Am 10. Juni 2012 schloss sich der Kreis im Leben von Herbert Schneider. Im Kreise seiner Familie verstarb der 92jährige Sohn Hannes Schneiders in Portland/Maine. Wenn er aus seinem Leben erzählte, wurde deutlich, wie sehr die Familie Schneider dem Skilauf verbunden ist und welchen Beitrag zu dessen Entwicklung sie leistete. Gleichzeitig aber wurden immer auch die politischen Umstände deutlich, die in den vergangenen Jahrzehnten wirksam geworden waren.

Als Sohn des großen Skimeisters Hannes Schneider 1920 in St. Anton am Arlberg geboren, war die Kindheit und Jugend von Herbert und seiner Schwester Herta vom Skilauf geprägt. Die Skischule des Vaters stand in den späten 1920er und den 1930er Jahren in ihrer vollen Blüte, und zahlreiche Berühmtheiten jener Zeit gingen im Hause Schneider ein und aus. Herbert wurde auch Zeuge der Dreharbeiten der berühmten Skifilme am Arlberg – und ist selbst als eines der skilaufenden Kinder im Film „Der weiße Rausch“ zu sehen.

Da sein Vater vom Wert einer fundierten Ausbildung überzeugt war, besuchte Herbert Schneider in den 1930er Jahren das Jesuitenkolleg Stella Matutina in Feldkirch. Als Schüler nahm er an zahlreichen Skirennen teil und spielte auch mit Begeisterung Eishockey. Die politischen Veränderungen, deren Vorboten bereits im Winter 1934 spürbar waren, blieben ihm jedoch vorerst verborgen. Später sandte der Vater Herbert und Hertha Schneider nach Neuchâtel in der französischen Schweiz zur Schule. Dort hielten sich die beiden auch während der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich auf. Nach der Rückkehr im Sommer hatten sich die Verhältnisse massiv verändert. Hannes Schneider hielt sich in Garmisch-Partenkirchen auf, ihm blieb die Einreise nach Österreich verwehrt. Die Familie stand  vor einer ungewissen Zukunft. Sehr lebhaft erinnerte sich Herbert an die Ereignisse im Winter 1939:

Am 30. Jänner erhielt er einen Pass in Landeck ausgestellt, am 4. Februar bestieg die ganze Familie die Queen Mary in Richtung USA und bereits am 11. Februar fuhr er gemeinsam mit seinem Vater in North Conway – der neuen Heimat – Ski. Als sie dort die ersten Schwünge zogen, meinte Hannes Schneider: „Herbert, es ist nicht St. Anton, aber wir werden es hier lieben.“ Und im Rückblick meinte Herbert stets: „Mein Vater hatte Recht, wir haben es hier geliebt.“  Die Familie Schneider bezog ihr neues Haus in North Conway, wo Herbert 73 Jahre bis zu seinem Tod wohnhaft war.

In den USA betätigte er sich als Rennläufer, häufig gemeinsam mit seinem Freund Toni Matt. Unter anderem nahmen die beiden 1941 an den US-Meisterschaften in Aspen teil. Nach Erhalt der US-Staatsbürgerschaft diente Herbert bei den Skitruppen der 10th Mountain Division. Beim Ende des Krieges 1945 befand er sich mit seiner Division in Italien und erlebte in der Folge einen emotionalen Besuch in St. Anton als amerikanischer Soldat.

Nach dem Ende des Krieges stand Herbert Schneider seinem Vater bei der Leitung der Skischule am Mount Cranmore zur Seite, die er 1955 nach dessen Tod übernahm. Er war Gründungsmitglied US-Skilehrervereinigung und ermöglichte zahlreichen österreichischen Skilehrern einen Aufenthalt in den USA, um Englisch zu lernen. Aus den Händen von Helen Gibson, der Witwe von Harvey Dow Gibson, der seinerzeit die Einreise der Familie Schneider ermöglicht hatte, erwarb er zusammen mit Partnern das Skigebiet am Mount Cranmore, das er bis 1984 leitete. In North Conway war Herbert Schneider überaus beliebt und ein gern gesehener Gast bei zahlreichen Veranstaltungen. Ab den 1950er Jahren begann er, regelmäßig St. Anton zu besuchen, wo seine Schwester Hertha geheiratet hatte. Insofern fungierte er auch als Brückenbauer zwischen der alten Heimat am Arlberg und den USA.

Er verstand es, Menschen jeden Alters mit Geschichten aus seinem langen und überaus ereignisreichen Leben zu unterhalten. Seine Bescheidenheit, seine freundliche Art und sein Humor bleiben aus vielen Begegnungen und Gespräch in Erinnerung